Arbeitsweise

Dipl.-Psych. Lars Jacobsen | Rodenbergstraße 6 Berlin | Louisenstraße 66 Dresden

Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen therapeutischen Ansätzen, Menschen und menschliches Leid zu begreifen und daraus Lösungsansätze abzuleiten. Vier dieser Therapieschulen gelten derzeit in Deutschland zu einem Grad als wissenschaftlich belegt und anerkannt, dass die Behandlungskosten mit diesen Verfahren von den Krankenkassen übernommen werden können: die Psychoanalyse, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie und die systemische Therapie. Mein Grundansatz ist die Verhaltenstherapie.


Verhaltenstherapie

Der Grundgedanke und zentrale Begriff dieser Therapieform ist einfach: Lernen. Persönliche Schwierigkeiten basieren aus verhaltenstherapeutischer Sicht darauf, dass wir in Kindheit, Jugend oder später bestimmte Dinge entweder nicht gelernt haben - z.B. weil unsere Bezugspersonen oder unser Umfeld dies nicht angeboten hatten - oder dass wir „falsche“, also ungünstige, heute nicht mehr wirklich funktionierende Dinge gelernt haben - z.B. weil unsere Bezugspersonen, neben unterstützenden und hilfreichen Aspekten, die es so gut wie immer auch gibt, es selber nicht besser wussten oder selber in eigenen Problemen befangen waren. In diesem Sinne hat fast jede gravierendere oder hartnäckigere „Störung“ ihre Vorgeschichte, in der Verhaltenstherapie Lerngeschichte genannt. Nach dem Prinzip „Was erst im Außen war, wird zum Innen“ sind wir gerade in jungen Jahren extrem lernoffen und formbar, d.h. vieles steht und fällt mit der Qualität unserer Umgebung, in der wir aufwachsen. Im ungünstigen Fall heißt das, dass wir in Kindheit und Jugend auch und besonders negative Erfahrungen in uns aufnehmen. Oftmals war dann die Erziehung in irgendeiner Weise nicht angemessen, die Aufwuchsbedingungen waren schwierig, oder uns wurde sogar übel mitgespielt, so dass sich noch viele Jahre später im Erwachsenenalter die Folgen dieser Erziehungsfehler oder Misshandlungen zeigen und uns das Leben im Hier und Jetzt und das Verfolgen unserer Lebensziele erschweren können.

Ein weiterer wichtiger Begriff der Verhaltenstherapie ist
Vermeidung. Wahrscheinlich haben wir alle von Natur aus die Neigung, Unangenehmes zu vermeiden und Angenehmes zu suchen. Diese allzumenschliche Eigenschaft kann jedoch zum Problem werden, wenn wir Dinge vermeiden, die zwar kurzfristig unangenehm, langfristig aber wiederum sehr wichtig für unser Wohlbefinden und die Verfolgung unserer persönlichen Lebensziele und Werte sind. Vermeidung spielt bei der Entstehung und insbesondere bei der Aufrechterhaltung von persönlichen Problemen und emotionalen Störungen in der einen oder anderen Weise fast immer eine wichtige Rolle. Etwa weil wir schon den bloßen Kontakt mit unseren Problemen oft zu vermeiden versuchen, z.B. indem wir uns ständig davon ablenken oder unseren Lebensradius so einengen, dass wir nicht mehr an unsere Probleme erinnert werden. Oder weil bei der Konfrontation und im Umgang mit unseren Problemen heftige Gefühle und oft wenig hilfreiche oder sogar schädliche Gedanken auftreten können, welche uns verwirren und vom Weg abbringen können.

Die
gute Botschaft der Verhaltenstherapie ist: wir können uns Schritt für Schritt dem Vermiedenen zuwenden, Ungünstiges Um-Lernen und Fehlendes Neu-Lernen. Mit Hilfe von Gesprächen, in denen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen genau erforscht werden, und mittels konkreter Übungen werden ungünstige Verhaltensweisen und wenig hilfreiche innere Einstellungen verändert. Die moderne Verhaltenstherapie bietet dazu eine Vielzahl effektiver und wissenschaftlich abgesicherter Methoden und Werkzeuge - Werkzeuge, welche Sie ebenfalls lernen, also sich aneignen und damit unabhängig vom Therapeuten in Ihrem Alltag einsetzen können. Psychotherapie ist in diesem verhaltenstherapeutischen Sinne (unter anderem) als Vermittlung von Selbsthilfefertigkeiten zu verstehen - als Hilfe zur Selbsthilfe.

Historisch entwickelte sich die Verhaltenstherapie in bisher drei Phasen oder Wellen:
1. In den Gründerjahren (ca. 1940-70) orientierte sich die Verhaltenstherapie recht strikt an tierexperimentell entwickelten Lerntheorien des
Behaviorismus: es ging - womöglich auch in Abgrenzung zur Psychoanalyse nach Freud mit ihrem teilweise exzessiven Hang zur potentiell endlosen Ausdeutung des eigenen Innenlebens - ausschließlich um die Analyse und Veränderung des äußerlich sichtbaren Verhaltens (daher auch die Bezeichnung „Verhaltenstherapie“) mittels hemdsärmeliger Methoden der Konditionierung, Gewöhnung, Belohnung und Bestrafung, welche heute zu Recht zum Teil als manipulativ und autoritär gelten, z.B. in Fragen der Kindererziehung. Immerhin ist der Grundgedanke der frühen Verhaltenstherapie - nämlich der (gestuften) Konfrontation mit gefürchteten Situationen („Geh dahin, wo die Angst ist“) - und damit das therapeutisch angeleitete Auflösen von o.g. Vermeidungsverhalten auch heute noch wertvoll und charakteristisch für die Verhaltenstherapie.

2. In der
kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), welche sich seit den 1960er Jahren herausbildete, begannen Verhaltenstherapeuten der schwer zu bestreitenden Tatsache allmählich Rechnung zu tragen, dass wir Menschen im Vergleich zu Meeresschnecken und Ratten (vormals beliebte Untersuchungsobjekte behavioristischer Forscher) über höhere sprachliche Fähigkeiten verfügen. Genau diese spezifisch menschlichen kognitiven Fähigkeiten des sprachlichen Bezeichnens, Einordnens, Bewertens, Bedenkens und inneren Kommentierens von allem, was uns begegnet, können aber auch Probleme erzeugen und verstärken. Wie schon der stoische Philosoph Epiktet (55-135) wußte: „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.“ Infolgedessen fokussiert die kognitive Verhaltenstherapie auf die Gedanken, die wir uns über die Dinge des Lebens und uns selber machen. Sie versucht in der psychotherapeutischen Behandlung gemeinsam mit dem Patienten, dessen möglicherweise verzerrten und ungünstigen, Leid erzeugenden Gedanken auf die Schliche zu kommen, und diese durch hilfreichere und der Realität angemessenere Gedanken zu ersetzen. Es geht hier also nicht mehr nur um die Veränderung des sichtbaren Verhaltens, sondern um das Herausarbeiten und Infragestellen eigener in der Lern- und Lebensgeschichte erworbener problematischer Grundeinstellungen und Denkmuster.

3. Die sogenannte
dritte Welle der Verhaltenstherapie (ca. seit den 1990er Jahren) besteht in einer Anverwandlung verschiedener psychotherapeutischer Ansätze durch die Verhaltenstherapie in Richtung einer integrativen, d.h. ganzheitlichen, schulenübergreifenden Psychotherapie. Hervorzuheben sind hier v.a. einerseits die Schematherapie nach Jeffrey Young, welche Ideen der Tiefenpsychologie, der Gestalttherapie und der sog. Innere-Kind-Arbeit einbezieht; andererseits die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) nach Steven Hayes, die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan und diverse achtsamkeitsbasierte Ansätze wie z.B. Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) nach Jon Kabat-Zinn oder die metakognitive Therapie nach Adrian Wells, welche alle vier m.o.w. deutliche Züge eines diesseitsbezogenen Buddhismus - der wahrscheinlich ältesten „Therapieschule“ der Menschheit - tragen. Die moderne Verhaltenstherapie hat damit einen deutlich ganzheitlicheren Blick auf das Wechselspiel zwischen Umweltfaktoren, Bedürfnissen, persönlichen Zielen und Werten, Gedanken, Gefühlen, Körperreaktionen und Verhaltensweisen.

In meinem Therapieverständnis als Vertreter der modernen Verhaltenstherapie finden sich Elemente aus allen drei genannten Entwicklungsphasen der Verhaltenstherapie wieder. Darüber hinaus beziehe ich in meine Arbeit gerne Ansätze der
systemischen Therapie, philosophisch orientierte Therapiekonzepte wie die existenzielle Psychotherapie nach Irvin Yalom, humanistisch-bedürfnisorientierte Konzepte wie die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, den Ansatz der Individualpsychologie des Psychotherapiepioniers Alfred Adler, Teile-Modelle wie die Ego-State-Therapie nach Watkins & Watkins oder die Ansätze von Kristin Neff oder Paul Gilbert mit ein, welche die Förderung von Mitgefühl und Selbstmitgefühl zum Ziel haben.


Leitlinien meiner Arbeit

Ich nehme Sie in Ihrem Leiden ernst und begegne Ihnen mit Offenheit. Durch Fragen, aber auch durch gezielte Übungen und gemeinsam erarbeitete „Hausaufgaben“ für die Zeit zwischen den Behandlungssitzungen begleite ich Sie dabei, Ihre Muster des Verhaltens, Fühlens und Denkens besser verstehen zu lernen und in gewünschter Weise zu verändern. Dabei gibt es keine vorgefertigten Lösungen, denn langfristig wirksame Therapie ist immer individuell maßgeschneidert. In diesem Sinne geht es mir darum, Ihnen im gemeinsamen Gespräch einen Raum zu eröffnen für die Entdeckung eigener Einsichten und eigener Strategien, die zu Ihrem persönlichen Wertesystem passen und sich auch in Ihrem Alltag wirklich bewähren. Dabei sehe ich Psychotherapie als ein gemeinschaftliches, kooperatives Unterfangen an. Was auch heißt: Psychotherapie ist in meinen Augen kein passiver Prozess, in dem man sich gewohnheitsmäßig einmal wöchentlich „zur Behandlung abgibt.“ Psychotherapie bedeutet begleitete Arbeit an sich selbst. Ich bin also auf Ihre aktive Mitarbeit und kontinuierliche Rückmeldung angewiesen, denn der übergeordnete Zweck von Psychotherapie ist m.E. Hilfe zur Selbsthilfe und zur Selbstfürsorge - welche man naturgemäß nur aktiv selber übernehmen kann.

Maßgebend für meine Arbeit ist eine humanistische Grundhaltung. Das heißt für mich in erster Linie: ich würdige inhaltlich wie prozessbezogen Ihre Autonomie als selbstbestimmtes Individuum. Inhaltlich bedeutet dies, dass ich Psychotherapie als einen emanzipatorischen Prozess ansehe, in dem es um die (Rück-)Gewinnung von Handlungsspielräumen, Empowerment und Stärkung Ihrer autonomen Weiterentwicklung und Individuation, Ihrer Selbstwerdung geht. Prozessbezogen bedeutet dies, dass ich Werte wie Selbststeuerung, Information, Mündigkeit, Freiheit, Selbst- und Mitbestimmung sowie Herrschaftsfreiheit und Kooperation in den Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit stelle. Dies spiegelt sich etwa in meinem Bemühen um maximale Transparenz des therapeutischen Prozesses wider: zu jedem Schritt unserer gemeinsamen Arbeit, zu jedem Interventionsangebot, zu jeder Idee und Frage, die ich Ihnen gegenüber äußere, erhalten Sie auf Anfrage eine klare „Produktinformation“, d.h. ich lasse Sie in keiner Weise im Unklaren über das, was ich zum Prozess beitrage, und jede Frage von Ihrer Seite zu jedem Aspekt unserer gemeinsamen Arbeit ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Ebenso äußere ich Ihnen gegenüber, wenn es um psychotherapeutische Veränderungsarbeit geht, lediglich Interventions-Angebote - die Sie auch ablehnen können - und niemals Anweisungen. Und schließlich wähne ich mich nicht im Besitz der Wahrheit, was Lebensfragen angeht, sondern schätze den durchweg subjektiven und vorläufigen, hypothetischen Charakter jeder Sichtweise und Kommunikation. Ich biete Ihnen im Gegensatz zur klassischen Arzt-Patienten-Rollenverteilung ein Gespräch „auf Augenhöhe“ an, welches Ihre Autonomie, Ihre Lebenserfahrung, Ihre Ziele und Ihre Werte würdigt.

Zur humanistischen Grundhaltung zählt m.E. auch die in Fachkreisen so genannte
Ressourcenorientierung. Blickt man in die Psychotherapiegeschichte und insbesondere in die Geschichte der Psychiatrie zurück, so wimmelt es dort vor defizitorientierten, pathologisierenden, mystifizierenden, letztlich degradierenden, abwertenden Haltungen, Theorien, Begriffen und Praktiken, welche im Umgang mit menschlichem Leid nicht selten zusätzliches Leid und Verwirrung verursacht haben und dies m.E. auch heute noch tun. Ressourcenorientierung heißt für mich daher nicht nur, Ihre Stärken und Kraftquellen bei der Bewältigung Ihrer Lebensprobleme zu berücksichtigen, sondern auch und grundsätzlicher, jedwedes abwertende, hierarchisierende und unempathische (Fach-) Vokabular vor der Tür zu lassen. Ja selbst die eigenen Probleme, „Störungen“ und ungünstigen Verhaltensmuster lassen sich als Lösungsversuche würdigen und mit der „Ressourcenbrille“ betrachten. Nach meiner Erfahrung ist dies oft auch notwendig, um in der eigenen Entwicklung voran zu kommen.